Bürgergeld: Vergleich der Koalitionsvereinbarung mit Positionen und Forderungen der KOS

Die Spatzen pfeifen mittlerweile von den Berliner Dächern, dass nach der Sommerpause wohl der parlamentarische Prozess zur schrittweisen Einführung eines "Bürgergeldes" beginnen soll, mit der die Ampelkoalition das bisherige SGB II ("Hartz IV") ersetzen will. Die KOS nimmt das zum Anlass, um das geplante "Bürgergeld" aus Sicht von Erwerbslosen und prekär Beschäftigten zu untersuchen. Ein Gesetzesentwurf ist bisher nicht öffentlich bekannt, so dass sich der Vergleich auf die in der Koalitionsvereinbarung genannten Eckpunkte bezieht.

Hier nun der Vergleich: Bürgergeld.pdf

Das Energie-Existenzminimum sichern!

Logo AufRecht bestehen

Die Hartz-IV-Regelsätze liegen weit unter dem tatsächlichen Existenzminimum. Unvorhergesehene Kostensteigerungen lassen sich nicht ausgleichen. In der Corona-Pandemie sind die Lebenshaltungskosten laufend gestiegen. Inflation und Energiepreise wachsen durch den Ukraine-Krieg weiter. Die vom Bundesverfassungsgericht 2014 geforderte Anpassung des Regelsatzes ist nicht nur für Strom überfällig. Die geringen Einmalzahlungen gleichen die Kostenexplosion nicht aus. Allein Lebensmittel haben sich 2021 gegenüber dem Vorjahr um 4,6 Prozent verteuert. Immer mehr Haushalte können ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen. Der Strom-Betrag im Regelsatz von rund 36 Euro entspricht laut Stromspiegel Deutschland einem extrem geringen Verbrauch. Einkommensarme können aber z.B. nicht einen Stromfresser gegen einen energieeffizienten Kühlschrank austauschen.

Das Bündnis "AufRecht bestehen" fordert daher mit Unterstützung der Nationalen Armutskonferenz (nak) für Einkommensarme und Grundsicherungsbeziehende:

  • Übernahme der Energiekosten für alle existenziellen Bedürfnisse;
  • unbürokratische Erstattung erhöhter Abschläge und Nachzahlungen;
  • Verbot von Strom- und Gassperrungen für Privathaushalte;
  • Erhöhung des Regelsatzes auf das tatsächliche Existenzminimum;
  • Einmalzahlung als Ausgleich für Preissteigerungen und Mehrausgaben müssen hinreichend bemessen sein und dürfen eine notwendige zeitnahe Erhöhung der Regelbedarfe nicht ersetzen;
  • Übernahme der Anschaffungskosten für energiesparende Geräte.

Hier geht es zum ausführlichen Forderungspapier: 22-4-8_Forderungspapier_Energiekosten.pdf

Die Waffen nieder - nein zum Krieg

Der Koordinierungsausschuss gewerkschaftlicher Arbeitslosengruppen (KOA) hat sich bei seinem Treffen am 24.3. und 25.3.2022 in Berlin auch mit dem brutalen Krieg in der Ukraine beschäftigt und dazu unter dem Titel "Die Waffen nieder - nein zum Krieg" klar Stellung genommen. Der KOA verurteilt den russischen Angriff auf die Ukraine. Er verlangt einen umfassenden Waffenstillstand, den Rückzug aller Truppen und ein Zurück an den Verhandlungstisch. Entsprechend sollten auch die politischen Reaktionen des Westens ausfallen, weiterer Hass und Konfrontation sollten vermieden werden. Wir alle sollten außerdem gemeinsan gegen den Krieg und für eine Politik der gemeinsamen Sicherheit auf die Straße gehen, fordert der KOA.

Die Stellungnahme: Die_Waffen_nieder.pdf

Von Armut Betroffene stellen den sozialen Notstand fest

Forderung: Nicht nur Viren, sondern auch Armut und Ausgrenzung bekämpfen!

Die AG Beteiligung unter dem Dach der Diakonie hat im Sommer 2021 einen bemerkenswerten Text veröffentlicht, der in den Medien auf viel Resonanz getroffen ist und auch in der KOS diskutiert wird. In diesem Text, an dem Menschen mit Armutserfahrung maßgeblich mitgeschrieben haben, wird ein sozialer Notstand festgestellt, den die Corona-Pandemie offengelegt hat: Unterbeschäftigung und Erwerbslosigkeit grassieren in Teilen der Gesellschaft. Sozial benachteiligte Kinder verlieren den Anschluss, auch und gerade im Homeschooling. Alleinerziehende und getrenntlebende Eltern können die zusätzlichen Belastungen nicht bewältigen. In Langzeit-Erwerbslosigkeit oder in prekären Erwerbssituationen Lebende verlieren die Hoffnung auf Veränderung ihrer Situation, ihre Arbeitsbedingungen verschlechtern sich weiter. Kleinselbstständige, Künstler*innen sowie Existenzgründer*innen sind massiv bedroht, ins Abseits zu geraten und ihre Existenzgrundlage zu verlieren. Die Bildungsbenachteiligung von Menschen, die durch Armut in ihren Gestaltungsmöglichkeiten beeinträchtigt werden, verschärft sich dramatisch. Menschen unter und an der Armutsschwelle spüren die Auswirkungen der Pandemie und der Veränderungen besonders drastisch und stehen so unter starkem Druck. Zusätzlich werfen auch die klimapolitische Entwicklung und ihre sozialen Auswirkungen ihre Schatten voraus.

Menschen mit Armutserfahrung erleben, wie sie aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden. Existenzängste und Einsamkeit nehmen bei ihnen zu. Wer schon vor der Pandemie arm war, hat in der Pandemie kaum zusätzliche Hilfen zu erwarten. Knapp bemessene Regelsätze, fehlende Unterstützung im Alltag, Fordern statt Fördern, Bildungs- Ungerechtigkeit und die Weitervererbung von Armut über Generationen: in Armut Lebende haben keinen Spielraum und keine Ressourcen, um neue Belastungen auszugleichen. Der soziale Zusammenhalt der Gesellschaft ist für die AG Beteiligung der Diakonie mittlerweile gefährdet. Die an der AG Beteiligten fordertn deshalb, dass die Armen selbst zum Störfaktor werden: "Wir brauchen jetzt einen demokratischen Streit um Armut und Sozialpolitik."

Aus dem Text kann auf jeden Fall die Forderung nach sozialen Orten abgeleitet werden, an denen sich Betroffene selbst austauschen und besser organisieren können. Die nötigen finanziellen und sonstigen Mittel für solche Prozesse des sozialen Austausch und der Selbstorganisation müssen nach Meinung der KOS unbedingt bereitgestellt werden.

Hier dokumentieren wir den Text der AG Beteiligung: Der_soziale_Notstand_ist_da_Text_Menschen_mit_Armutserfahrung_21-6-9_003.pdf

Versteckte Kürzungen bei den Ärmsten stoppen - rote Linie bei Hartz IV und Co.!

Breites Bündnis fordert mindestens Inflationsausgleich

Ob bei Hartz IV oder Grundsicherung im Alter: Das Geld reicht hinten und vorne nicht. Für eine ausgewogene, gesunde Ernährung und ein Mindestmaß an sozialer, politischer und kultureller Teilhabe müssen die Regelsätze deutlich auf mindestens 600 Euro steigen - dafür hat sich ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis bereits vor Monaten mit Nachdruck eingesetzt.

Stattdessen drohen Betroffenen jetzt versteckte Kürzungen am Existenzminimum: Die Preissteigerungen für Lebensmittel und andere Produkte ziehen an, die für Januar 2022 geplante magere Anpassung der Regelsätze hält mit der Inflation nicht Schritt. Die Folge: Den Ärmsten in unserer Gesellschaft stehen reale Kaufkraftverluste bevor. Ausgerechnet diejenigen, die am wenigsten haben, drohen weiter abgehängt zu werden.

Mit der Forderung „Versteckte Kürzungen bei den Ärmsten stoppen – rote Linie bei Hartz IV und Co.!” wendet sich nun ein breites Bündnis an Bundesarbeitsminister Hubertus Heil: „Es braucht eine rote Linie bei existenzsichernden Leistungen wie Hartz IV. Preissteigerungen müssen immer und zeitnah mindestens ausgeglichen werden. Es gilt umgehend zu handeln, um die versteckten Kürzungen bei den Ärmsten in unserer Gesellschaft zu stoppen”, heißt es in dem Appell, der von 15 bundesweiten Verbänden und Organisationen aus der Zivilgesellschaft getragen wird.

Neues Rechtsgutachten: Hartz-IV-Regelsatz verfassungswidrig

Nach einem aktuellen Gutachten der Rechtswissenschaftlerin Professorin Anne Lenze ist die zum 1.1.2022 geplante sehr geringe Erhöhung der Regelsätze außerdem verfassungswidrig. Angesichts der Entwicklung der Lebenshaltungskosten verpflichte das Grundgesetz den Gesetzgeber, die absehbare Kaufkraftminderung für Grundsicherungsbeziehende abzuwenden. In dem Rechtsgutachten wird u.a. auf die zurückliegenden einschlägigen Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts Bezug genommen, das 2014 feststellte, dass die Regelbedarfe bereits an der untersten Grenze dessen liegen, was verfassungsrechtlich gefordert ist. Die niedrige Anpassung der Regelbedarfe zum 1.1.2022 in Verbindung mit der anziehenden Inflation läute nun eine “neue Stufe der Unterschreitung des menschenwürdigen Existenzminimums” ein, so das Ergebnis der juristischen Prüfung, die der Paritätischen Wohlfahrtsverband in Auftrag gegeben hat. Sollte der Gesetzgeber nicht aktiv werden, um die absehbaren Kaufkraftverluste abzuwenden, verstoße er damit gegen die Verfassung, so das Fazit der Rechtswissenschaftlerin.

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Kinderarmut muss zentrale Rolle in den Koalitionsverhandlungen spielen

- Auftakt der Kampagne #4JahreGegenKinderarmut -

Ein breites Bündnis aus 61 Verbänden, Gewerkschaften, zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie Einzelpersonen fordern die nächste Bundesregierung auf, Kinderarmut endlich effektiv zu bekämpfen und konkrete, entschlossene Maßnahmen im Koalitionsvertrag festzuhalten. Die Bekämpfung der Armut von Kindern und Jugendlichen erfährt in der Bevölkerung sowie parteiübergreifend breite Zustimmung und muss in der nun beginnenden 20. Legislaturperiode eine zentrale Rolle spielen. Alle Kinder und Jugendlichen haben ein Recht auf ein gutes Aufwachsen!

Die unterzeichnenden Organisationen des Ratschlag Kinderarmut fordern in der Gemeinsamen Erklärung „Vier Jahre Zeit, um Kinderarmut endgültig zu beseitigen!“ u. a. eine grundlegende Reform der Leistungen für Kinder, Jugendliche und ihre Familien, die Sicherstellung sozialer Infrastruktur sowie ihre umfassende Beteiligung. Ebenso brauchen Kinder und Jugendliche eine intensive Begleitung zurück in ihren Kita- und Schulalltag und psycho-soziale Unterstützung bei der Bewältigung der Auswirkungen der Pandemie.

Zur Presseerklärung des Bündnisses: 20210928_PM_4JahreGegenKinderarmut.pdf

Nur drei Euro mehr Regelsatz - "eine Unverschämtheit"

Wie durchgesickert ist, plant die Bundesregierung die Regelsätze für die meisten Menschen, die Leistungen nach dem SGB II ("Hartz IV") oder Grundsicherung für Altersrenter*innen und dauerhaft Erwerbsgeminderte beziehen, ab dem 1.1.2022 um monatlich gerade einmal drei Euro zu erhöhen. Für Kinder unter 14 Jahren soll es sogar nur zwei Euro mehr geben.

Das Mitglied des DGB-Vorstands Anja Piel nennt dies „eine faktische Kürzung der Hartz-IV-Regelsätze“. Das sei „völlig inakzeptabel“, so Piel gegenüber der Berliner Morgenpost (vom 15.9.2021). Denn die Erhöhung um nur drei Euro liege deutlich unterhalb der Preisentwicklung. Die Regierung missachte die Nöte von Hartz-IV-Berechtigten. Darunter hätten besonders Kinder in armen Familien zu leiden, so Anja Piel weiter. Die Präsidentin des Wohlfahrtsverbands vdk, Verena Bentele, bezeichnet das Vorgehen der Bundesregierung im selben Artikel in der Morgenpost als „eine Unverschämtheit". Dadurch, dass die Bundesregierung die zweite Jahreshälfte 2020, als die Mehrwertsteuer zeitweilig abgesenkt war, zur Berechnungsgrundlage für die Hartz-IV-Regelsätze gemacht hat, kürze sie „damit de facto die Leistungen von Grundsicherungsbeziehern“.

Reichtum umverteilen durch höhere Besteuerung von Spitzenverdiener*innen, Vermögenden und Konzernen

Das Bündnis "Wer hat, der gibt" hat einen offenen Brief an die Bundesregierung zur umfassenden Reform des bisherigen Steuersystem veröffentlicht. Dieser Aufruf zum Handeln wird von über 100 Organisationen und Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kunst und Kultur unterstützt, darunter auch der Förderverein gewerkschaftliche Arbeitslosenarbeit e.V. Das Bündnis verlangt eine Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums durch eine andere Art von Steuerpolitik, die Spitzenverdiener*innen, reiche Erben, Besitzer*innen großer Vermögen und mulitnationale Konzerne in die Pflicht nimmt. Nur so könne verhindert werden, dass Geringverdienende unter einem durch die Corona-bedingten Kosten verursachten Spardruck leiden müssen. Das Bündnis betont ferner, dass eine fortschrittliche Steuerpolitik auch aufgrund der aktuellen sozialen und ökologischen Herausforderungen erforderlich ist.

Zum offenen Brief geht es hier:

Es gibt auch die Möglichkeit dort die Forderungen des Bündnisses durch die Unterschrift auf eine e-Petition zu unterstützen.

Stellungnahme der KOS zur erneuten Reform des SGB II

Das Bundesarbeitsministerium für Arbeit und Soziales hat zu Beginn des Jahres 2021 eine erneute Reform des SGB II ("Hartz IV") angekündigt. Die KOS hat sich diesen Referentenentwurf des „Elften Gesetzes zur Änderung des Zweiten Buches Sozialgesetzbuch und anderer Gesetze“ angesehen und ihn kritisch kommentiert. Wir veröffentlichen die Stellungnahme, weil sie deutlich macht, in welche Richtung das SGB II nach unserer Ansicht umgestaltet werden muss - das gilt besonders in Bezug auf die viel zu niedrige Leistungshöhe, die für Erwerbslose mit "Hartz IV" zu einem Leben in materieller Armut zwingt. Hier geht es zur Stellungnahme: Stellungnahme_KOS_Referentenenwurf_SGB_2.docx

Existenzsichernde Sozialleistungen – Forderungen anlässlich der Corona-Krise

Um die durch das neuartige Corona-Virus verursachte Krise und die damit verbundenen materiellen und sozialen Folgen abzufedern, haben Bund und Länder eine Reihe von Hilfen für verschiedene Bevölkerungsgruppen beschlossen. Weitere Schritte, wie z. B. die von den Gewerkschaften vorgeschlagene Anhebung des Kurzarbeitergeldes auf 80% des vorherigen Lohns,sollen zumindest zu einem großen Teil umgesetzt werden. Für Arbeitslose und von Arbeitslosigkeit Bedrohte gibt es dagegen in der Corona-Krise kaum zusätzliche Unterstützung. Wir nehmen das zum Anlass, um entsprechende Vorschläge aufzugreifen, die im Bereich des DGB und in der Erwerbslosenbewegung diskutiert werden. Diese Vorschläge beziehen sich zunächst auf die jetzige Krise. Sie sollen aber auch aufzeigen, wie das bisher so lückenhafte soziale Netz langfristig verbessert und die Leistungsbewilligung im Amt würdig gestaltet werden kann. Die Vorschläge beziehen sich zunächst auf Hartz-IV bzw. das SGB II. Sie sollten aber nach Möglichkeit auf alle anderen Grundsicherungsleistungen, die der Existenzsicherung dienen sollen – d. h. insbesondere Kinderzuschlag, Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, Sozialhilfe und Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nach dem SGB XII - übertragen werden. Gerade im Asylbewerberleistungsgesetz sind deutliche Verbesserungen nötig, da die Leistungen dort nochmals weit unter den ohnehin schon zu niedrigen Hartz-IV-Regelsätzen liegen.

Die Forderungen: Erhöhung der Regelsätze (sofort um pauschal 100 €); Aussetzen aller Kürzungen; Erreichbarkeit der Ämter verbessern; einfaches Antragsverfahren; zügige Auszahlung der Leistungen; Aufheben von Leistungsausschlüssen. Zu den Forderungen im Einzelnen: Forderungen_zu_Grundsicherungsleistungen.docx